Das Fach möchte sich Ihnen möchte kurz vorstellen. Das kann natürlich nur sehr oberflächlich sein, denn immerhin wird Mathematik seit über 2500 Jahren betrieben.
Zur Illustration betrachten wir ein einfaches Beispiel: Sie wollen Ihr rechteckiges Wohnzimmer mit neuer Auslegware verschönern, es misst vier mal fünf Meter, und Sie wollen wissen, wie viele Quadratmeter Sie benötigen. Es ist unwahrscheinlich, dass irgendjemand von dieser kleinen Textaufgabe überfordert ist: Man rechnet vier mal fünf gleich zwanzig, und schon ist das Problem gelöst. Was ist da eigentlich passiert? Ein Problem des Alltags wurde in eine andere Welt, die Welt der Mathematik, übersetzt und dort gelöst. Viel musste man im vorliegenden Fall nicht dazu wissen, etwas Geometrie der Ebene und einfaches Zahlenrechnen reichten aus.
Und die gleiche Idee
liegt allen Anwendungen von Mathematik
zugrunde: Sachverhalte der "wirklichen" Welt
werden in mathematische Objekte übersetzt,
die "wirklichen" Probleme werden zu
mathematischen Problemen, und die müssen
dann gelöst werden.
Anlässlich des "World Mathematical Year
2000" wurde dieses ÜbersetzungsPrinzip von
dem dänischen Mathematiker Vagn Lundsgaard
Hansen in einem Plakatmotiv veranschaulicht: Zu
sehen ist die 1624 Meter lange
Storebaelt-Brücke, die längste
Hängebrücke Europas. Sie verbindet
die dänischen Inseln Fyn und
Seeland.
Bei dieser Übersetzung
– etwas wissenschaftlicher spricht man
von „mathematischer Modellierung“
spielen eine Vielzahl mathematischer Gebiete
eine Rolle. Manchmal – wie in unserem
Beispiel – reichen Zahlen, dann wieder
sind Funktionen wichtig oder es kommen
Vektoren, Wahrscheinlichkeiten, Mengen oder
sonstige Begriffe vor. Das Lösen der sich
so ergebenden mathematischen Probleme erfordert
einige Erfahrung, hin und wieder muss man sich
mit guten Näherungen begnügen, und
fast immer steht man heute ohne Computerhilfe
auf verlorenem Posten.
Es
funktioniert wirklich! Die Methode, sich die
"irgendwie mathematische Struktur" unserer Welt
zunutze zu machen, wird seit Beginn der Neuzeit
mit überwältigendem Erfolg angewandt.
Als Vision hatte es schon Pythagoras formuliert
("Alles ist Zahl"), der eigentliche Siegeszug
begann aber mit Galilei ("Das Buch der Natur
ist in der Sprache der Mathematik
geschrieben"). In vielen Bereichen von Technik,
Wirtschaft und Wissenschaft kommt man deswegen
ohne Mathematik nicht aus. Ständig werden
neue Anwendungsfelder erschlossen, die
benötigte Mathematik muss in vielen
Fällen völlig neu entwickelt werden.
Und entsprechend gut sind seit vielen Jahren
die Berufsaussichten für Mathematikerinnen
und Mathematiker.
Mathematik stellt also Modelle
bereit, mit denen die Wirklichkeit beschrieben
werden soll. Eigenschaften dieser Modelle
werden aus grundlegenden Annahmen der
jeweiligen Theorie, den so genannten Axiomen,
durch strenge Beweise hergeleitet. Auf diese
Weise ergeben sich Wahrheiten, die einen
zeitlosen und objektiven Stellenwert haben.
Beschäftigt man sich zum Beispiel mit den
natürlichen Zahlen 1,2,3,4,... so stellt
man schnell fest, dass sich einige dieser
Zahlen in Bezug auf die Multiplikation
besonders verhalten: Man nennt diejenigen
Zahlen Primzahlen, die nur durch sich selbst
und die 1 teilbar sind (etwa 17, 41, 101, ...).
Erste bemerkenswerte Wahrheiten über
Primzahlen wurden schon im alten Griechenland
gefunden.
Etwa die, dass man jede
Zahl als Produkt von Primzahlen schreiben kann
oder dass es unendlich viele Primzahlen gibt.
Viele Mathematiker empfinden nun gerade dieses
Finden von interessanten allgemeinen Wahrheiten
über mathematische Begriffe als den
wichtigsten Aspekt ihres Faches. Manche haben
sich während der meisten Zeit ihres Lebens
mit nichts anderem auseinander gesetzt, als
eine ihnen wichtig erscheinende Frage
erschöpfend zu beantworten.
Wen die Mathematik einmal fasziniert hat, lässt sie selten mehr los. Nicht umsonst ist Mathematik eine der ältesten Wissenschaften. Die Menschheit hat sich schon "immer" für Mathematik und mathematische Zusammenhänge interessiert.
Mathematik ist die einzige Wissenschaft, welche man "im Kopf" betreiben kann. Im Gegensatz zu anderen Wissenschaften kann man in der Mathematik alles verstehen. Es ist nicht nötig, irgend etwas zu glauben, alles ist nachvollziehbar.
Hier geht es zu den Lehrkräften für Mathematik