Bereits vor sieben Jahren sind wir mit unseren Lateinschülern in Klasse 5 gleichzeitig mit Latein und Englisch "im Doppelpack" gestartet. Im Blick auf die aktuelle Entwicklung der Gymnasien und der eigenen vielversprechenden positiven Erfahrungen in den vergangenen Jahren bieten wir dieses Zukunftsmodell auch weiterhin am Peutinger-Gymnasium für unsere Schüler an.
Wir versuchen, die hohe Motivation und Lernbereitschaft der Zehn- bis Vierzehnjährigen auszunützen, und unterrichten neben Latein auch Englisch in Klasse 5, und zwar mit drei Stunden pro Woche. Dafür gibt es Entlastung in der Stundenzahl und im Pensum des Lateinunterrichts.
Die Schüler müssen also nicht in weniger Zeit mehr lernen, sondern die Jahreswochenstunden werden anders über die Schuljahre verteilt.
Wir achten darauf, das richtige Tempo zu finden und die Kinder nicht zu überfordern. Unsere Beobachtungen in den vergangenen 6 Jahren bestätigen bereits, dass das Erlernen beider Sprachen zu einer ganzen Reihe von Synergieeffekten führt: Latein und Englisch fördern sich gegenseitig.
Latein als Basissprache Europas bleibt ein zukunftsfähiges Angebot. Die Römer und die antike Kultur als Ganzes haben unser heutiges christlich-abendländisches Denken maßgeblich mitgeprägt.
Ein exakter Umgang mit Sprache, wie er im Lateinunterricht trainiert wird, und genaues Hinschauen sind Fähigkeiten, die die muttersprachliche Kompetenz stärken und in einer Wissensgesellschaft notwendiger denn je sind.
In der ausgehenden Kindheit vor Beginn der Pubertät fällt das Fremdsprachenlernen am leichtesten, während in der Pubertät die Lernbereitschaft oft nachlässt; deshalb ist es sinnvoll, möglichst früh mit einer 2. Fremdsprache anzufangen.
Die Entscheidung für Latein wird erleichtert, da mit Englisch gleichzeitig weiterhin eine Fremdsprache gelernt wird, mit der man sofort "etwas anfangen" kann.
Wir halten das Paket mit Latein als Schwerpunkt und Englisch als Ergänzung für sinnvoll, weil durch Latein die strukturelle Grundlage für das Fremdsprachenlernen gelegt wird, während das Englische den kommunikativen Aspekt des Fremdsprachenlernens betont. Im Englischunterricht erreichen unsere Schüler spätestens am Ende des zweiten Jahres wegen der Synergien den Lernstand der reinen Englischklassen.
Mit dem Modell gibt es nach unserer mehrjährigen Erfahrung kaum Probleme. Zwischen vierzig und fünfzig Prozent der Schülerinnen und Schüler wählten bisher diesen Weg.
Sollte es notwendig werden, dass ein Schüler aus diesem sprachlichen Profil aussteigt, ist wegen des bereits in der Grundschule eingeführten Faches Englisch der Übergang in einen anderen Bildungsgang weitgehend problemlos und leichter als bisher. Dieser Wechsel kam bisher nur ganz vereinzelt vor.
Im Allgemeinen gilt: Wer für das Gymnasium geeignet ist, wer also eine entsprechende Grundschulempfehlung mitbringt, schafft nach unseren mehrjährigen Erfahrungen den Einstieg auf zwei Beinen ohne Probleme.
Darüber hinaus lässt sich sagen: Latein fällt Kindern leichter, wenn sie über eine gewisse Ausdauer und Neugierde für eine fremde, interessante Welt verfügen, wenn sie gerne lesen und Spaß am Kombinieren haben.
Kaum. Sollte es Probleme geben, kann in Klasse 5 in die reine Englischgruppe gewechselt werden.
In der Klasse 8 wählt jeder Schüler dann sein Profil: Entweder wählt er eine dritte Fremdsprache und entscheidet sich damit für das sprachliche Profil, oder aber er wählt keine 3. Fremdsprache und nimmt automatisch am naturwissenschaftlichen Profil teil.
Damit sind mit dem Modell für die Kinder keinerlei Risiken verbunden.
Ja, auch dabei haben wir in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht; ein Unterschied zu den Kindern, die allein mit Englisch angefangen haben, ist nicht feststellbar.
Wir sind aus vielen guten Gründen der Überzeugung, dass Latein als Basissprache Europas ein zukunftsfähiges Angebot ist. Mit diesem bewährten Modell "Latein + Englisch" gelingt es nach unserer Erfahrung in optimaler Weise, zwei Grundsprachen Europas miteinander zu verknüpfen, ohne die Schüler zu überfordern.
Dr. Hermann Rieger, Schulleiter