Es war die erste Reise von Schülerinnen und Schülern des Peutinger Gymnasiums nach China und es soll nicht die letzte gewesen sein. Geht es nach Schulleiter Dr. Hermann Rieger, wird bereits im kommenden Schuljahr wieder eine Gruppe die Koffer packen und nach China fliegen. Zuvor aber sind die Chinesen dran. Bereits im Juli wird ein größere Delegation am Peutinger Gymnasium erwartet.
ELLWANGEN/JIAJING „Wir wollen die
Jugendlichen an die chinesische Kultur
heranführen, nicht als Tourist, sondern
durch Integration in das tägliche
Leben”, fasst Rieger eines der
wesentlichen Ziele des Austausches zusammen.
Deshalb war das Programm zweigeteilt. Neben
einer Besichtigungstour durch das Land der
Gastgeber waren die Ellwanger in chinesischen
Gastfamilien untergebracht und erlebten damit
den Alltag mit all seinen für
Europäer ungewöhnlichen Sitten und
Gebräuchen hautnah. Bereits der Auftakt
bei den jeweiligen Gastfamilien war für
die Ellwanger gewöhnungsbedürftig.
Sie wurden
beim Essen von allen Seiten begutachtet und
bestaunt, nicht nur von den
Familienmitgliedern, sondern auch von Nachbarn,
Bekannten und Verwandten. So geriet das Essen
fast zu einer öffentlichen Veranstaltung.
Ungeachtet dessen war die Gastfreundschaft
überwältigend. „Das ist
für uns Deutsche unvorstellbar”,
bringt Thomas Roder, Delegationsleiter und
Lehrer am Peutinger Gymnasium, die
Freundlichkeit und Herzlichkeit, mit der die
Chinesen ihre Gäste aufgenommen haben, auf
den Punkt. Manchmal wurden sogar eigens
Köche engagiert, um ein Festmahl auf den
Tisch zu zaubern. Da gab es Schalentiere, deren
Namen völlig unbekannt waren, Fische zu
jeder Tageszeit und in jeglicher Form, aber
auch Schildkröten und andere exotische
Köstlichkeiten. Zur Überraschung und
zur Freude der Schwaben wurde einmal sogar eine
Art Maultaschen zum Frühstück
gereicht.
Ungewöhnlich für europäische Verhältnisse ist auch die Heizung. Eine Zentralheizung, wie wir sie kennen, gibt es nicht. Statt Heizkörper gibt es je Wohnung oder Haus in einem Zimmer eine Art Klimaanlage mit einer einzigen Wärmestufe, was dazu führte, dass das gemütliche Beisammensein nur in Jacke oder Mantel erträglich war.
Unterrichtet wurde ebenfalls dick eingepackt. Die Partnerschule des Peutinger Gymnasiums besuchen annähernd 3 500 Schülerinnen und Schüler. Für deutsche Verhältnisse ebenfalls kaum vorstellbar ist die Klassengröße von durchschnittlich 60 Schülern. Den Ellwangern wurde eigens ein schulisches Programm geboten. Da beim größten Teil des Fachunterrichts Chinesisch gesprochen wurde, wurde der Unterricht in Fächern wie Kunst, Musik, Naturwissenschaften oder Sport in Englisch gehalten.
Neben den
schulischen besteht von chinesischer Seite das
größte Interesse an wirtschaftlichen
Kontakten. Der oberste Repräsentant von
Taizhou, einer Stadt mit fünf Millionen
Einwohnern, zu der auch Jiajing gehört,
ließ es sich nicht nehmen die Ellwanger
zu zwei Empfängen zu laden. Gerade diese
Verbindungen, die bei solch einem Austausch
geknüpft werden können, machen
Partnerschaften mit China überaus
reizvoll, so Rieger. „Schüler
müssen auf den globalen Markt vorbereitet
werden, deshalb passen solche Kontakte in die
internationale Ausrichtung des Peutinger
Gymnasiums. Wer einen solchen Austausch
mitgemacht hat, hat keine Schwellenangst mehr,
falls ihn der berufliche Weg einmal nach China
führen sollte.”
In China wird rund um die Uhr gebaut. Jiajing wuchs innerhalb von 20 Jahren von 150 000 Einwohnern um das Zehnfache auf 1, 5 Millionen. Thomas Roder vergleicht diesen Boom mit der „Industrialisierung in Europa, nur mit dem Unterschied, dass die Chinesen in zwei Jahrzehnten durchmachen, wofür die Europäer 250 Jahre benötigt haben”. Deshalb bleibt es auch nicht aus, dass zwischen glänzenden Hochhausfassaden Menschen auf Müllkippen ihr Dasein fristen müssen.
Beeindruckt waren vor allem die Ellwanger Schüler vom Warenangebot. Es gibt alles was das Herz begehrt, nur zu einem unglaublich günstigen Preis. Kein Wunder, denn ein Lehrer verdient ungefähr 400 €, ein Arbeiter 100 € und ein Spitzenmanager ungefähr 1000 €. Eine Fahrt mit dem Taxi quer durch die Stadt ist bereits für 1 € zu haben, allerdings braucht der Fahrgast starke Nerven. Für Lorenz Hass waren die Taxifahrten „total verrückt. Gefahren wird nach dem Gesetz des Stärkeren und wer bremst, hat schon verloren.”
Beeindruckend
sind für Gregor Lux die vielen Kontakte
die bis nach Hause nachwirken. „Ich
bekomme unglaublich viele E-Mails, selbst von
Mädchen, die ich persönlich gar nicht
kennen gelernt habe.” Wie begehrt die
deutschen Gäste waren, erfuhren die
Schüler auf Schritt und Tritt.
Ständig mussten sie für irgendwelche
Fotos posieren.
Neben den Erfahrungen in den Gastfamilien sammelten die Pgler Eindrücke auf ihrer Rundreise durch China. Ziele waren unter anderem Shanghai, Hanghzhou, der laut Marco Polo schönsten Stadt Chinas, die chinesische Mauer, die Seidenstadt Souzhou, in Peking der Sommerpalast und die verbotenen Stadt.
Das Fazit fällt nicht nur für Christoph Gauermann durch und durch positiv aus. „Man nimmt unheimlich viel mit nach Deutschland. Man beklagt sich nicht mehr so schnell und man wird zufriedener” und Lorenz Haas ergänzt: „Wenn ich die Möglichkeit hätte, ich würde ohne zu zögern sofort wieder gehen”. (hb)