Schule auf dem Weg zu mehr Selbstständigkeit

Schulleiter aus ganz Europa, selbst aus dem Land des PISA Spitzenreiters Finnland, werden sich in der kommenden Woche in Baden – Württemberg über Neuentwicklungen im Schulsystem des Landes informieren. Im Blick haben die Schulleiter vor allem ihre deutschen Kollegen, die mit der Bildungsplanreform mehr Selbstständigkeit und damit noch mehr Verantwortung übertragen bekommen.

Baden – Württemberg steht mit seiner Bildungspolitik bundesweit auf einem Spitzenplatz. Und auch im Vergleich mit anderen Staaten steht das Land laut PISA Studie in den meisten Bereichen, im Gegensatz zum bundesweiten Trend, ganz weit vorn. Dies ist das Ergebnis einer konsequent betriebenen Weiterentwicklungen der Bildungspolitik, die nun mit der flächendeckenden Einführung des G-8 Zuges an Gymnasien im kommenden Jahr ihre Fortsetzung findet.

Parallel dazu wird die Selbstständigkeit der Schulen weiter gefördert, was für die Schulleiter mehr Freiräume, aber auch mehr Eigenverantwortung bedeutet. Bislang regelten die Lehrpläne die Inhalte der jeweiligen Fächer. Zukünftig werden in den Bildungsplänen nur noch zwei Drittel der Inhalte vorgegeben. Ergänzt werden die Bildungspläne durch das sogenannte Schulcurriculum, bei dem die jeweiligen Fachlehrer die Inhalte selbst bestimmen, die an ihrer Schule vertieft werden sollen. Hinzu kommen Poolstunden, die nicht an bestimmte Fächer gebunden sind, sondern die frei verfügbar sind, entsprechend der jeweils definierten Schwerpunkte. Ziel der Bildungsplanreform ist dabei zum einen die verbesserte Vergleichbarkeit durch allgemeingültige Standards, und zum anderen werden dadurch pädagogische Gestaltungsspielräume für die jeweilige Schule geschaffen, die somit ein individuelles Profil erhält.

Insgesamt soll bei reduzierter Stofffülle und weniger Spezialisierung die Allgemeinbildung vertieft und das eigenverantwortliche Lernen verbessert werden.

Der pädagogische Ansatz für die Bildungsplanreform ist dabei ein ganzheitliches Bildungssystem, das davon ausgeht, dass Bildung mehr ist, als das was sich in Klassenarbeiten abfragen lässt. Die Stärkung der Persönlichkeit, Urteilsfähigkeit, das Übernehmen von Verantwortung oder auch das Vermitteln von sozialer Kompetenz werden neben der Vermittlung von Inhalten wesentliche Bestandteile des Unterrichts.

Neu ist auch das Fach Naturwissenschaft und Technik (NwT), das ab dem Schuljahr 2007/2008 in den Klassen acht bis zehn vierstündig unterrichtet wird. Im Rahmen eines projektorientierten Unterrichts sollen die Schülerinnen und Schüler ganz im Sinne der Bildungsplanreform eine lebensnahe naturwissenschaftliche Ausbildung erhalten.

Für den Schulleiter bedeutet diese Weiterentwicklung, dass er zukünftig weit mehr als in der Vergangenheit als Manager gefordert wird, denn er leitet zukünftig eine operativ eigenständige Schule. Dieser geänderte Aufgabenbereich ist der Anlass für Schulleiter aus neun europäischen Ländern, sich die Situation vor Ort anzuschauen. Neben theoretischen Inhalten mit Informationen über das Bildungssystem in Deutschland, der Binnengliederung einer Schule oder der Rolle des Kultusministeriums bei der Schulentwicklung besuchen die Seminarteilnehmer mit dem Peutinger Gymnasium in Ellwangen eine Schule, die von Beginn der Versuchsphase an das Abitur in acht Jahren angeboten hat und bereits reichhaltige Erfahrungen mit dem neuen Bildungsplan hat. Sie haben somit die Möglichkeit, sich direkt vor Ort über die konkreten Umsetzungen der Bildungsplanreform zu informieren. Hinzu kommen Besuche bei sämtlichen Bildungseinrichtungen, vom Kindergarten, Volkshoch-, und Musikschule bis hin zu einem Berufschulzentrum.