"Die Würde des Menschen schützen"

(Artikel der Ipf- und Jagst-Zeitung vom 27.5.1999)

ELLWANGEN - Zum 50. Geburtstag des Grundgesetzes ist auch das erweiterte Ellwanger Projekt "Gewaltprävention" in Berlin mit bundesweitem Aufmerksamkeitswert erneut ausgezeichnet worden.

Von unserem Redakteur Felix Hüll

Die Theodor-Heuss-Stiftung und die Akademie für Bildungsreform haben zum neunten Mal das Förderprogramm "Demokratisch Handeln" ausgeschrieben. Die Einsendungen sollten Bezug zum Jubiläum "50 Jahre Grundgesetz" nehmen. Bereits 1998 war das vom Peutinger-Gymnasium ausgehende Ellwanger Projekt "Gewaltprävention und Selbstbehauptung" in diesem Förderprogramm lobend hervorgeboben worden.

Weil die beiden Betreuerinnen Cornelia Hummel und Fotini Papadopulu dieses Vorhaben inzwischen ausbauten, wurde es ein zweites Mal für eine bundesweite Vorstellung eingeladen. Mit Hummel und Papadopulu reisten jetzt die beiden Schülerinnen Franziska Grobmann und Christina Hasenmüller nach Berlin. Während der "Tage der jungen Bürgergesellschaft" erläuterten sie dort, daß aus den Kursen zur "Selbstbehauptung und -Verteidigung von jungen Mädchen" mittlerweile ein umfassendes Angebot an Kursen und Informationsveranstaltungen wurde sowie ein Kontaktnetz entstand zwischen Eltern, Lehrern, der Stadtverwaltung (Jugend- und Familienbeauftragte) so wie der Polizei.

Die Vorsitzende der Heuss- Stiftung, Hildegard Hamm-Brücher, lobte das Engagement der Ellwanger Jugendlichen und Erwachsenen, Gewalt im Alltag nicht einfach hinzunehmen, denn schon in Artikel Eins des Grundgesetzes stehe, daß die Würde des Menschen unantastbar ist.

Cornelia Hummel: "Wir haben in unserer Arbeit mit den Eltern bemerkt, daß Erwachsene ganz unterschiedliche Erfahrungen mit Gewalt haben. Manche meinen, daß da erst Blut fließen muß, bevor es sich um Gewalt handelt." Hummel und Papadopulu werben dafür, sich darüber klar zu werden, daß schon Beleidigungen, Ausgrenzen, das "Mobbing" erste Formen von Gewalt sind, gegen die jeder beherzt einschreiten sollte, egal, ob er sie am eigenen Leib erlebt oder mitbekommt, daß andere darunter leiden.

Auch dieses Jahr werden wieder Kurse an verschiedenen Ellwanger Schulen stattfinden, Gespräche mit Eltern, Lehrern, Verwaltung und Polizei inbegriffen.