Unterricht auf Chinesisch

Heute steht Unterricht auf dem Programm. Gleich in der Frühe geht es um Punkt sieben Uhr mit der ersten Stunde los: Englisch. Nicht nur uns Lehrern fällt heute das frühe Aufstehen etwas schwer, sondern auch den chinesischen Schülern ist die neue Klingelordnung noch fremd.

Wir lernen Powerpoint-gestützt von der Bedeutung der Flussdeltas für Mensch und Natur, wo sich Süßwasser mit dem Salzwasser des Meeres mischt. Leider fällt die Stunde kürzer aus als geplant war, da die neue Klingelordnung den Beginn stark nach hinten verschoben hat. Aber auch so werden uns allen (Lehrern und Schülern) sehr schnell die vielen Unterschiede zwischen unserer Unterrichtserfahrung und dem Wesen des Unterrichts an dieser Schule klar.

Instrumentenforführung in der Musikstunde. Nachdem die erste Englischstunde, die genauer "bilinguale Geographiestunde" hätte heißen sollen, überstanden ist, steht nun eine Musikstunde an. Traditionelle chinesische Instrumente aus den Bereichen Zupf-, Blas- und Schlaginstrumente bekommen wir per Powerpoint und Videoeinspielung vorgeführt, das gleich noch mit stimmungsvollen Darbietungen seitens chinesischer Schülerinnen bereichert und von einer bezaubernden jungen Lehrerin gehalten, sodass uns die Zeit nicht lang werden kann.

Von nun an ist der gemeinsame Unterricht in der geschlossenen Gruppe zu Ende und ein jedes geht mit seinem chinesischen Partner in dessen jeweiligen Unterricht mit.

Eine Chemiestunde. So geht es beispielsweise für einige mit einer Chemiestunde weiter. Obwohl die Stunde ohne ein Wort Englisch verläuft, erschließt sich dem aufmerksamen Betrachter gleich, dass es sich um die Eigenschaften von Ölen und Fetten handelt - daran lassen die Bilder und Formeln auf den Powerpointfolien keinen Zweifel aufkommen. Aber nicht nur der Beamer kommt zum Einsatz, sondern auch die gute alte Tafel wird benutzt. Selbst bei solch mediengestütztem Unterricht schreiben Schüler Ergebnisse aus den Hausaufgaben an die Tafel - ganz wie bei uns. Und ebenso wie bei uns nimmt anschließend der Lehrer Bezug auf das Angeschriebene und bespricht es mit der Klasse, um hier und dort eventuelle Korrekturen vorzunehmen. Alle fünfzig Schülerinnen und Schüler sind sehr diszipliniert bei der Sache, was angesichts einer solchen Klassengröße bei uns für stille Bewunderung (und ein bisschen Neid) sorgt.

Bildende Kunst. Für den Nachmittag ist Kunstunterricht angesagt. Chinesische Kunst und Kalligraphie verspricht der Stundenplan.

Nach einer kurzen Übersicht über die verschiedenen Kategorien und Pinselstrichtechniken geht es ans Ausprobieren. Nachdem ein jedes die besondere Pinselhaltung verstanden hat, malen chinesische und deutsche Schüler (und deutsche Lehrer!) fleißig ein Rosenbild mit Tusche nach. Zuguterletzt erhält das Bild dann Datum, Titel und Namen des/der Künstlers/Künstlerin, geschrieben mit chinesischen Schriftzeichen und mit dem Schulsiegel rot gestempelt.

Zum Abschluss des Tages geht es in den Computerraum, wo wir Internet und Email hinter chinesischen Firewalls benutzen dürfen. Leider geht hier nicht alles so, wie man es zu Hause gewöhnt ist, und das völlig unabhängig von der englischen Tastatur und den chinesischen Fehlermeldungen. Daher müssen wir wohl das Beste für zu Hause aufheben, um es erzählen zu können.

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