REGIERUNGSVIZEPRÄSIDENT JOSEF KREUZBERGER

Vor einigen Wochen gab‘s hohen Besuch am PG. Der baden-württembergische Regierungsvizepräsident Herr Josef Kreuzberger war zu Gast an unserer Schule. Die LUPE-Redaktion hatte natürlich Fragen an ihn...

Bild Herr Kreuzberger

LUPE:
Herr Kreuzberger, wie würden Sie das Tätigkeitsfeld eines Stellvertretenden Regierungspräsidenten darstellen?
Josef Kreuzberger:
Das Tätigkeitsfeld eines stellvertretenden Regierungspräsidenten ist eine reine Managementtätigkeit. Ich bin von Haus aus Jurist, habe diverse Stationen in verschiedenen Behörden durchlaufen und bin jetzt eben im Regierungspräsidium gelandet, wo ich aber eigentlich mit Juristerei nichts mehr zu tun habe. Das Regierungspräsidium hat 3000 Mitarbeiter in elf Abteilungen, die in 74 Referate untergliedert sind. Da gibt es natürlich den lieben langen Tag viel zu tun, um diesen „Laden“ am Laufen zu halten. Das ist mein Job, zusammen natürlich mit dem Regierungspräsidenten.
LUPE:
Ist es für Sie Alltag Schulen zu besuchen?
Josef Kreuzberger:
Alltag kann man jetzt nicht so ohne weiteres sagen. Ich schau, dass ich schon ab und zu an eine Schule gehe. Aber wir haben elf große Abteilungen. Eine dieser Abteilungen ist die Abteilung 7, „Schule und Bildung“, diese Abteilung ist dann die für euer Gymnasium zuständige Schulbehörde. Aber das ist eine von Elfen… Dazu gibt es Abteilungsleiter und einen Referatsleiter Gymnasium, er ist speziell für die Gymnasien zuständig.
Es gibt ja vier Regierungspräsidien in Baden-Württemberg, wir sind das Stuttgarter und der Herr Eberspächer betreut in seinem Referat etwa 150 Gymnasien, die in dem Bezirk Stuttgart sind, und eures ist eins davon. Also ihr seht, ich kann auch nicht den ganzen Tag raus und Schulen besuchen, weil das einfach von der Menge nicht geht. Aber wenn es eine so interessante Sache ist wie hier, dann geht man schon mal raus und schaut sich’s an.
LUPE:
Das hört sich sehr anstrengend an. Wie sieht denn für Sie ein ganz normaler Arbeitstag aus?
Josef Kreuzberger:
Mein Arbeitstag: Ich bin Frühaufsteher und bin um Viertel vor Sieben im Geschäft. Ich stehe um halb Sechs auf. Dann bin ich meistens so bis Neun an meinem Schreibtisch und mach Akten. Es kommen jeden Tag Berge von Akten, also Vorgänge, die ich unterschreiben muss oder einfach abzeichnen, und dann beginnt in der Regel mein Kalender. Dann finden Besprechungen statt. Aber ich bin auch sehr viel draußen. Wir sind für die Kommunen, für die Stadt Ellwangen zum Beispiel, zuständig, da gibt es beispielsweise Probleme im Straßenbau und so weiter und sofort, so dass ich mir das natürlich auch vor Ort anschauen muss. Abends finden oft noch gesellschaftliche Dinge, wie z.B. ein Festakt oder Schuljubiläum statt, wo dann der Regierungspräsident oder der Regierungsvizepräsident in der ersten Reihe sitzen. Ich bin dann um 23.00 Uhr oder 24.00 Uhr zu Hause …und das war so einer meiner ausgefüllten Tage.
LUPE:
Auch unser Schulalltag gestaltet sich relativ anstrengend. Was sind Ihre Rückmeldungen zum neu eingeführten G8?
Josef Kreuzberger:
Hah, da höre ich immer wieder Unterschiedliches. Ich bin nicht so nah dran. Auf der einen Seite höre ich, dass G8 in vielen Gymnasien ganz ordentlich läuft. Da wurde von Lehrern der Stoff entsprechend reduziert, damit es nicht es nicht zu überladen ist. Es wurden vernünftige Nachmittagsschulreglungen geschaffen. Dann gibt’s aber auch Rückmeldungen von Eltern und natürlich Schülern, die sagen, dass es zu überfrachtet sei. Aber ich bin der festen Überzeugung an G8 führt kein Weg vorbei. Wir müssen früher fertig sein! Mit der Schule und auch später mit dem Studium, siehe Bachelor und Master.
LUPE:
Wo sehen Sie weitere Entwicklungsmöglichkeiten unseres Schulsystems?
Josef Kreuzberger:
Weitere Entwicklungsmöglichkeiten…  Ich glaube, dass wir auf einem recht guten Weg sind zum Beispiel mit der Ganztagsschule. Das wird ja immer weiter ausgebaut -  Schule als Lebensraum, sowohl für Schüler als auch für Lehrer. Ich kenn noch Zeiten, da ist das auch politisch im Lande ganz abgelehnt worden. Da hieß es, die Kinder sollen mittags nach Hause gehen. Heute ist Schule einfach Lebensraum. Und der eigentliche Problembereich, aus meiner Sicht, ist das ganze Schulsystem, nicht nur die Gymnasien, das sind die Hauptschulen. Wir haben ein Hauptschulen-Problem. Den Hauptschulen laufen die Schüler weg, das ist inzwischen eine reine Restschule. Wer bleibt in der Hauptschule? Um die machen wir uns Sorgen, dass wir daraus eine vernünftige Schule machen. Dass die Schüler dort gern sind und nicht das Gefühl haben, dass sie der Rest der Welt sind, sondern dass sie dort eine gute Ausbildung erhalten, eine gute Lehre machen können mit der Ausbildung in der Schule. Vielleicht auch gute Handwerker werden, es muss ja auch nicht jeder Akademiker werden.
Und das ist, was wir in Zukunft lösen müssen.
LUPE:
Im Moment ist die Finanzkrise in aller Munde. Denken Sie, dass sie auch Auswirkungen auf unser Schulsystem haben könnte?
Josef Kreuzberger:
Oh, das ist natürlich schwierig. Die globale Finanzkrise, die sich momentan weltweit abspielt, weil die Banken sich gegenseitig nicht mehr vertrauen und keine Kredite mehr geben… Sie könnte sich natürlich insofern rückfällig abspielen, als dass an dem 5-Milliarden- Rettungspaket vom Bund die Länder 35 Prozent übernehmen. Wenn da Geld zur Rettung der einzelnen Banken fließt, dann fehlt es dem Staat und man muss natürlich überlegen: Wo kürz’ ich? Mach’ ich neue Schulden? Oder nehme ich es bei der Wissenschaft, bei der Polizei etc. weg?
Wenn man da etwas an der Ausrüstung spart, ist das wiederum eine politische Entscheidung, da kann es dazu kommen, dass im Schulbereich gespart werden muss. Jetzt ist gerade eine Bildungsoffensive im Land Baden-Württemberg und es kann sein, dass es da keine neuen Bücher gibt, weil Rettungsgelder in die Banken  fließen.
LUPE:
Momentan beschäftigen wir uns im Deutschunterricht mit dem Thema Amokläufe in der Schule, in Finnland ist dieses Thema gerade sehr präsent. Sollten ihrer Meinung nach die Sicherheitsvorkehrungen an Schulen erhöht werden?
[Anm. der Redaktion: Das Interview fand vor den Ereignissen in Winnenden statt.]
Josef Kreuzberger:
Das ist natürlich eine zwiespältige Sache. Stellen Sie sich ihre Schule  mit einem Sicherheitstor vor und jeden morgen gecheckt zu werden wie am Flughafen, ob Sie Waffen bei sich haben. Dabei wollen wir das natürlich nicht, die Schule soll eigentlich ein offener Raum sein. Also ich glaub nicht, dass man starke Sicherheitsvorkehrungen braucht, das nimmt natürlich auch viel Geld. Ich glaube eher, dass man eine gute Schulgemeinschaft entwickeln sollte. Dass Schüler miteinander auskommen, dass man keinen mobbt und wenn da alle darauf achten, dann dürfte das eigentlich nicht an Schulen vorkommen. Vielleicht muss man im Internet oder auch bei den Spielen nachhaken. Gewaltspiele, aus denen die Schüler nicht mehr  rauskommen, sind umstritten, aber meines Erachtens gibt es hier keine Verbindung.
LUPE:
Sie besuchen uns heute anlässlich des Projekts für Lehrerarbeitsplätze am PG, wie hat Ihnen unsere Schule eigentlich gefallen?
Josef Kreuzberger:
Sehr gut, ich war ja mal vor zwei Jahren da, als der Neubau eine Baustelle war. Ich bin mal durchgelaufen und ich hab mir damals schon vorgenommen, wenn es einmal fertig ist, muss ich wieder herkommen. Und wie es dann geworden ist— super! Und gerade der Lehreraufenthaltsbereich ist besser.  Wenn ich da an den alten denke, links und rechts nur Reihen von Stühlen, und jetzt im Vergleich ist das ein riesiger Fortschritt weil, ich glaube, dass der Lehrerberuf schon ein anstrengender Beruf ist.
Ich bin ja kein Lehrer, meine Frau ist Lehrerin, und ich weiß selber, wie sie manchmal von der Schule heimkommt und einen anstrengenden Tag hatte. Dann ist es einfach wichtig, dass man einen schönen Arbeitsplatz hat und nicht in den Pausen Lärm ist, sondern man ein bisschen regenerieren kann. Und es ist ja auch gut, wenn man hinterher einen ausgeglichenen Lehrer hat. Insofern ist das ein ganz tolles Beispiel hier in Ellwangen am PG.
LUPE:
Haben sie noch etwas, was sie unserer Schule mit auf den Weg geben möchten?
Josef Kreuzberger:
Also was mich sehr beeindruckt hat, ist die Mensa unten und die Bewirtung durch die Behinderten, das finde ich sehr faszinierend. Auch das Verhältnis von den Schülern zu den Behinderten und der zwanglose Umgang …gerade dieses soziale Miteinander ist wunderbar und das solltet ihr auch pflegen.
LUPE:
Herzlichen Dank für das Interview.