Am Montag, den 20. Oktober 2008, besuchte der ehemals wegen versuchter Republikflucht im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen inhaftierte Karl-Heinz Richter das Peutinger Gymnasium, um für die Jahrgangsstufe 12 einen Vortrag über politische Verfolgung in der DDR zu halten. Sein Besuch ist dem Bestreben der Lehrerin Julia Wunder zu verdanken, die diesen Vortrag unter anderem anlässlich des aktuellen Films „Das Leben der Anderen“ organisierte. Seine Lebensgeschichte ist ein Beispiel für die schlimmen Zustände in der Justiz der DDR.
Der Ostberliner Karl-Heinz Richter, der mit 15 Jahren den Bau der Berliner Mauer miterlebte, war schon früh nicht mit der geltenden Ordnung in der DDR einverstanden. Als schließlich die Zahl der Opfer bei der Flucht, von denen Richter manche auch persönlich kannte, immer weiter stieg, entschloss er sich zu handeln. Zusammen mit Mitschülern aus der Max-Planck-Oberschule plante er die Republikflucht. Denn für den hermetisch abgeriegelten Moskau-Paris-Express gab es freie
Stellen im Grenzzaun. Nach langer Planung begann Karl-Heinz Richter seine Kameraden durch eben dieses Loch zu schleusen, indem er sie auf den auf einer Hochbahn fahrenden Zug aufspringen ließ. Als Karl-Heinz Richter schließlich jedoch, nachdem er 17 seiner Kameraden so in die Freiheit geschickt hatte, selbst fliehen wollte, gab es|
Herr Richter ein ehemaliger Häftling im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen |
eine Zeitverzögerung; das Aufspringen auf den Zug war unmöglich. Um nicht durch nahende Grenzer erschossen zu werden sprang er die sieben Meter von der Hochbahn auf den Erdboden, brach sich dabei beide Beine, die Arme und ein paar Rippen, und schleppte sich schließlich schwer verletzt den kilometerweiten Weg nach Hause. Nach einer Woche jedoch wurde der damals 17-jährige Karl-Heinz Richter durch die Stasi verhaftet und in Untersuchungshaft ins Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen gebracht. Dort wurde er unter Schlägen dazu aufgefordert die Fluchtstelle preiszugeben, doch Karl-Heinz Richter hielt durch bis die letzten seiner Freunde mit dem Zug entkommen waren. Nach dem 23-stündigen Verhör wurde er schließlich in eine kleine Zelle gesteckt, wo er trotz seiner Verletzungen ohne medizinische Versorgung zurückgelassen wurde. Trotz ständiger Schikane, zum Beispiel der Einflößung von Abführmitteln unter Zwang, und weiterer physischer Folter blieb Karl-Heinz Richter standhaft, gab nicht zu der Rädelsführer dieser Flucht gewesen zu sein und rebellierte sogar gegen die ihm zugedachte Behandlung.Auf dem allerletzten Verhörprotokoll, das Karl-Heinz Richter zusammen mit seinen restlichen Stasiakten vor ein paar Jahren erhielt, findet sich eine handschriftliche Randnotiz des Vernehmers mit dem Wortlaut: „Richter (dieser kleine Pisser) hat mich bis zuletzt geduzt“.Nur eine Pressekonferenz für ihn, die die „befreiten“ Kameraden in Westberlin veranstaltet hatten, |
in die Freiheit geschickt hatte, selbst fliehen wollte, gab es eine Zeitverzögerung; das Aufspringen auf den Zug war unmöglich. Um nicht durch nahende Grenzer erschossen zu werden sprang er die sieben Meter von der Hochbahn auf den Erdboden, brach sich dabei beide Beine, die Arme und ein paar Rippen, und schleppte sich schließlich schwer verletzt den kilometerweiten Weg nach Hause. Nach einer Woche jedoch wurde der damals 17-jährige Karl-Heinz Richter durch die Stasi verhaftet und in Untersuchungshaft ins Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen gebracht. Dort wurde er unter Schlägen dazu aufgefordert die Fluchtstelle preiszugeben, doch Karl-Heinz Richter hielt durch bis die letzten seiner Freunde mit dem Zug entkommen waren. Nach dem 23-stündigen Verhör wurde er schließlich in eine kleine Zelle gesteckt, wo er trotz seiner Verletzungen ohne medizinische Versorgung zurückgelassen wurde. Trotz ständiger Schikane, zum Beispiel der Einflößung von Abführmitteln unter Zwang, und weiterer physischer Folter blieb Karl-Heinz Richter standhaft, gab nicht zu der Rädelsführer dieser Flucht gewesen zu sein und rebellierte sogar gegen die ihm zugedachte Behandlung.Auf dem allerletzten Verhörprotokoll, das Karl-Heinz Richter zusammen mit seinen restlichen Stasiakten vor ein paar Jahren erhielt, findet sich eine handschriftliche Randnotiz des Vernehmers mit dem Wortlaut: „Richter (dieser kleine Pisser) hat mich bis zuletzt geduzt“.Nur eine Pressekonferenz für ihn, die die „befreiten“ Kameraden in Westberlin veranstaltet hatten, hielt die Stasi davon ab Richter – direkt oder indirekt – zu töten. Als die physische Folter nicht ausreichte um Karl-Heinz Richter zu brechen, zog man auch die Familie in diese Geschichte hinein, um psychischen Druck auszuüben; Richters Vater erlitt schließlich nicht zuletzt durch diesen Druck einen tödlichen Herzinfarkt. Als sich Richters Gesundheitszustand schließlich jedoch dramatisch verschlechterte, blieb der Gefängnisdirektion nichts anderes übrig als den jungen Mann in die Berliner Charité zu überweisen; die Ärzte waren geschockt über seinen Zustand und konnten nicht glauben, dass dies in einem staatlichen Gefängnis geschehen sein soll. Schließlich jedoch wurde Richter nach langer Behandlung aus dem Krankenhaus direkt in die Freiheit entlassen, da nach der ärztlichen Untersuchung festgestellt wurde, dass die Stasi es „bei Richter wohl etwas übertrieben habe“. Wieder in der Freiheit stellte Karl-Heinz Richter einen Ausreiseantrag, der ihm 1975 nach viel weiterer Schikane, unter anderem der Zwangsadoption seiner Tochter, gewährt wurde. In Westberlin angekommen verhalf er weiteren 20 Menschen zur Republikflucht, indem er sie auf Transitstrecken aus der DDR brachte. Nachdem dies allerdings verraten wurde und er nur mit knapper Not der Aufdeckung entkommen konnte, entschloss er sich aufgrund der drohenden Gefahr einer Entführung Deutschland zu verlassen. Viele Jahre verbrachte er zusammen mit seiner Familie in Afrika und Arabien; erst einige Zeit nach der Wiedervereinigung kehrte er nach Berlin zurück. Heute gibt er Führungen in der Gedenkstätte Hohenschönhausen in Berlin und reist herum um seine Geschichte zu erzählen. Sein Ziel ist es, den Menschen klar zu machen, mit welcher Brutalität Andersdenkende in der DDR verfolgt wurden, um die Neuentstehung eines solchen Staates zu verhindern und den Menschen Zivilcourage näher zu bringe
Autor: Janosch Zoller