Armut gibt es auch bei uns—ein besuch im Ellwanger Tafelladen

Wir, die evangelische Religionsklasse der Stufe 7, hat sich über einen längeren Zeitraum hinweg mit dem Thema „Armut und Reichtum“ beschäftigt. Wir haben viel diskutiert, unter anderem darüber, wie Armut und Reichtum entstehen. Wir fanden heraus, dass es Armut nicht nur weit weg in Afrika, China oder Süd-Amerika gibt, sondern auch bei uns in Deutschland, auch hier in Ellwangen! Durch einen Besuch im Ellwanger Tafelladen haben wir erfahren, wie es ist, in Ellwangen arm zu sein.

Frau Reinecke, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin des Tafelladens, führte uns durch den Ellwanger Tafelladen, der sich in der Priestergasse 1 befindet. Dort gibt es ihn seit etwa 1 1/2 Jahren. Die Lebensmittel, die im Tafelladen verkauft werden, stammen aus ganz normalen Supermärkten wie Aldi oder Rewe oder aus Bäckereien der Region. Diese Läden würden die Waren normalerweise wegwerfen, z.B. weil das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht oder die Verpackung leicht beschädigt ist. Es kommen auch Waren in den Tafelladen, die vom Hersteller einfach nur falsch verpackt wurden, beispielsweise Erdbeerjoghurt, der irrtümlich in den Becher für Heidelbeerjoghurt abgefüllt wurde. Dieser Joghurt würde normalerweise auf dem Müll landen, dabei ist nur das Etikett falsch! Der Tafelladen ist also ein ganz normaler Lebensmittelladen. Da die Waren aber viel billiger abgegeben werden, dürfen hier nur ärmere Menschen einkaufen. Jeder, der bis zu 800€ im Monat verdient, kann einen „Tafelausweis“ beantragen, um im Tafelladen einzukaufen. Ein Mitarbeiter des Tafelladens muss das Einkommen eines Kunden im Tafelbüro anhand von Belegen und Nachweisen überprüfen. Der Tafelausweis ist ein Jahr lang gültig, dann muss er wieder aktualisiert werden. Das liegt daran, dass sich das Einkommen zwischenzeitlich verändern kann. Auf dem Ausweis sind der Name sowie ein Foto des Einkaufsberechtigten zu sehen, außerdem sein Geburtsdatum sowie andere persönliche Daten. Ein Auswies ist notwendig, weil sonst jeder im Tafelladen einkaufen und eine Menge Geld sparen könnte.

Die Produkte im Tafelladen sind um einiges billiger als im herkömmlichen Supermarkt. So können die Menschen, die von Armut betroffen sind, etwas Geld einsparen und sich davon Kleidung, Arztbesuche und andere lebensnotwendige Dinge leisten. Die Einnahmen des Tafelladens decken wiederum anfallende Kosten des Ladens, z.B. Heizöl-, Wasser-, Benzin-, Telefon- und Bürokosten. Gewinne macht der Tafelladen nicht. In Ellwangen muss die Tafel keine Miete für das Gebäude in der Priestergasse zahlen, in dem der Tafelladen untergebracht ist. Zusätzlich hat die Tafel auch noch einen Kühltransporter, der zur Hälfte von Mercedes gestiftet wurde. Mit diesem Transporter können die Waren, die andere Händler abgeben, transportiert und auch in der Region verteilt werden. Die ganze anfallende Arbeit wird von vielen ehrenamtlichen Helfern erledigt.

In Deutschland gibt es verschiedene Arten von Tafelläden. In Baden-Württemberg ist ein Tafelladen im Prinzip wie ein normaler Supermarkt organisiert. Die Lebensmittel kosten aber nur einen Bruchteil im Vergleich zum normalen Supermarkt. Die Menschen, die im Tafelladen einkaufen, sind also zahlende Kunden. Ihr Selbstwertgefühl soll so gestärkt werden, denn sie gehen mit ihrem eigenen Geld um und müssen sich nicht für Geschenktes bedanken. In anderen Bundesländern gibt es dagegen Tafelläden, die fertig gepackte Tüten mit  unterschiedlichem Inhalt verteilen. Der Nachteil ist, dass die Tüten möglicherweise Lebensmittel enthalten, die man gar nicht braucht oder will. Andere Tafeln kochen mit den gesammelten Lebensmitteln auch warme Mahlzeiten und verteilen diese. So bekommen die Tafelbesucher zwar ein warmes Essen und sparen Energiekosten, sie haben aber keine Auswahlmöglichkeit.

Einige Fakten und Zahlen

Ca. 100 Personen kaufen täglich im Ellwanger Tafelladen ein

Autor: ev. Religion Kl. 7abc